Sonntag, 22. Juli 2012

Öresund: Malmö und Kopenhagen

Mit einer jungen Crew, Durchschnittsalter < 20, segle ich in den Öresund. Die erste Etappe ist happig: Heiligenhafen - Hesnaes. Bei leichtem Wind überqueren wir die Verkehrsstrassen der Grossschifffahrt vorschriftsgemäss. Nach Gedser legt der Wind bis auf 16 kn zu.

Heiligenhafen - Kopenhagen

Hesnaes, ein kleiner Fischerhafen
Zwischen Hesnaes und Rodvig begleiten uns Schweinswale. Wir segeln Vorwind nur mit Fock bei 18-20 kn Wind.

Kreidefelsen von Mön
Alle Schwimmwesten an!
In Rodvig beklagen sich die Skipper über den schlechten Sommer. Wir sind eigentlich ganz zufrieden. Der Wind schiebt uns wunderbar bis nach Malmö hoch.


Schöner Anlieger nach Rodvig

Rodvig um 22 Uhr

Öresund-Brücke

Führung durch Malmö unter "professoraler" Leitung

Verdrehte Gesichter wegen dem markanten  "Turning Torso" 

Svanemoelle-Hafen in Kopenhagen

Mit dem Klappvelo in Kopenhagen unterwegs

Eine Hanse 325 für Ambitionierte: Solarzelle und Wind-Gen

Abschlussessen: Spaghetti mit Lachs und Gemüse

Sonntag, 24. Juni 2012

Angewöhnung in Heiligenhafen

Die „Libertine“ macht richtig Freude. Sie segelt "Fehmarn Rund" (über 50 sm) in 8 Stunden, also mehr als 6 kn im Durchschnitt und Halbwind über 8 kn Spitze – ohne Vorwindsegel und mit Festpropeller! Nur der Wendewinkel enttäuscht anfänglich. Zieht man aber die weichen Standardfallen so richtig dicht, wird der Wendewinkel Hanse-üblich – also kleiner als 90 Grad.


Ein Rad ist keine Pinne!

Frischer Fisch im Fischereihafen

Abendstimmung am Steg

Fischereihafen: ganz selten Windstill! 


Fischereihafen mit Stimmung





Sonntag, 6. Mai 2012

Überführung nach Heiligenhafen

Wieder zwei Wochen später fahre ich mit einem erfahrenen Skipper von unserem Zürichsee-Club http://www.yachtclubau.ch/home.html voll bepackt in den Norden. Mehr als 300 Euro pro Person dürfen wir nicht frei über die Grenze bringen. Ein Seglerkollege arbeitet beim Deutschen Zoll und sagt mir wie wir legal über die Grenze gelangen. In Potsdam holen wir zuerst beim Chef von Boatoon http://www.boatoon.com/de/ privat das Sicherheitszubehör ab: es ist Feiertag und wir bekommen Kaffee und Kuchen im Garten serviert. Die aus Basel geforderte Pyro-Ausrüstung bleibt in Potsdam, bis ich den amtlichen Pyroschein habe.

Noch am Abend bei meiner Hanse angelangt und immer noch nüchtern, stelle ich fest, dass die Maststütze schräg eingebaut ist: sie steht mindestens 2 cm neben der Kielmitte. Dass ich immer solche Ungenauigkeiten entdecken muss! Zur Strafe flackern abgeschaltete LED-Lichter.

Werfthafen in Greifswald
Museumshafen auf der Ryck

Eine Pizzeria am Marktplatz ist unser Stammlokal. Wir fragen die junge und überaus nette Servicedame nach ihrer Herkunft wegen ihres speziellen Dialektes: Weissrussland!


Zentrum Greifswald
Bei der Hanse-Werft
Bis der Händler zwei Tage später auf dem Werfthafen erscheint (mit der Werft sollte man ja nicht reden), versuchen wir das Funkgerät zu montieren und die GPS- und AIS-Signale zu verkabeln. Jetzt erst entdecke ich die vielen Hohlräume hinter den hochglänzenden Innenschalen: Fassaden wie in Hollywood!

Kurz vor Überführung werden die LED-Lichter ausgetauscht. Zur schrägen Maststütze meint der Händler nach Rücksprache mit der Werft, diese läge in der Produktionstoleranz! Die Werft hätte sich die Wasserwaage-gerechte Produktionslinie sparen können!

Die Überführung von Greifswald nach Heiligenhafen verläuft weitgehend problemlos. Wir taufen die Hanse in Stralsund auf den Namen „Libertine“. Der streikende Autopiloten ist inzwischen kalibriert und neu flackernde LEDs haben wir selbst und dafür endgültig repariert.



Warten auf die Klappbrücke Wieck
Stralsund: Libertine mit der Gorch Fock I im Hintergrund
Stralsund: die "Rolling Swiss" des CCS im Hintergrund
...für den Neptun!


Dienstag, 1. Mai 2012

Libertine: Bedeutung

"Libertine" hat mindestens zwei Bedeutungen:
  • Positive Bedeutung: Freigeist, Freidenker, Querdenker
  • Negative Bedeutung: Wüstling, Frauenheld, Person ohne Moral etc. 
Selbstverständlich ist der Name des Bootes nur aus der positiven Bedeutung hergeleitet. Falls jemand die negative Bedeutung miteinbeziehen möchte, dann bitte nur für das Boot und nicht für den Skipper!

Nachtrag im Dezember 2012: Im neusten englischen Wiki-Eintrag ist als aktuellster "Libertine" der Name Dominique Strauss-Kahn aufgeführt. Ähnlichkeiten des Bootes mit Eigenschaften dieser Person wären rein zufällig!


Mittwoch, 11. April 2012

Übernahme

Zwei Wochen später wieder im Norden: Übernahme! Die Termine können laut Händler nicht vereinbart werden, sie werden diktiert. Ein deutsches Paar und ich wollten abtauschen: geht auch nicht.

Drei Überraschungen tun sich auf:
- Salonboden im alten unschiffigen Ahorn-Design à la Ikea
- Teak auf dem „Steuermannssitz“ - aber nicht dort wo der Steuermann wirklich sitzt
- keine Deckenluke im WC, dafür Cockpitluke in die Achterkoje.

Den Salonboden muss ich wohl schlucken: solche Abweichungen sind laut AGB möglich. Das fehlende Teak wird gegen Aufpreis aufgeklebt: da bin ich auf eine Begriffsungenauigkeit reingefallen. Am meisten stört mich die falsche Luke: obwohl ich mir die Mühe mit dem Bild in der Email gemacht habe!

Fertig ausgerüstet und frisch im Wasser

Die ganze Übergabe ist gefilmt und so finde ich zum Beispiel auch später sofort die fünf Durchlassventile wieder. Nach abhaken der Ausrüstungsliste fehlt nur noch das ganze Rigg-Zusatzpaket sowie ein Inverter.


Wohin mit der Beschriftung?


Samstag, 24. März 2012

Hanse-Seminar in Greifswald

Im März erhalte ich eine Einladung zum Hanse-Wochenendseminar: Vorträge über Rigg, Segel, Bootsunterhalt und Motor und am Sonntag eine Werftbesichtigung. Zuerst will ich absagen. Als ich die diplomatische Entrüstung des Händlers erkenne, disponiere ich um. Es lohnt sich tatsächlich aus der Schweiz anzureisen. Die neuen Hanse-Genossen (ganz unpolitisch gemeint, ich bin ja auch Eidgenosse) sind unkomplizierte und freundliche Menschen und als Eigner der kleinsten Hanse spüre ich weder Statusunterschiede noch Mitleid.

Am Sonntag zur Kirchenzeit betreten wir die Werft. Mich interessiert die Produktionslinie mit den „kleineren“ Booten: pro Tag verlässt eine oder manchmal zwei Hanse von dieser Linie die Halle. In 15 Schritten und durchschnittlich 230 Montagestunden wird ein Kundenwunsch erfüllt. Praktisch: die Produktionslinie ist absolut plan und für die Benutzung der Wasserwaage ausgerichtet. Ist „Schiffbau = Schiefbau“ Vergangenheit? Eindrücklich ist der Möbelbau. Jeweils eine Wochenproduktion optimiert der Computer und Holz wird so zerschnitten, dass minimaler Abfall entsteht. Wehe, die automatisch geklebten Etiketten fehlen auf den Holzteilen: grossräumiges Ikea-Montagegefühl! Extrem sind auch die schnellhärtenden UV-Lacke: eine dreifache Seitenflächenlackierung geschieht innert 23 Sekunden!

Langsam begreife ich die Strukturen hier in Greifswald: die Hanse-Werft als Machtzentrum, darum herum Ausrüster und Servicebetriebe als eigenständig geführte Unternehmen und die ebenfalls eigenständigen Verkaufspunkte und Charterbetriebe bilden den äussersten globalen Ring. Ziel ist, dass die Verkaufspunkte die alleinigen Ansprechpartner für Kunden sind. Allerdings besteht die Möglichkeit beim Ausrüster vor Ort direkt und etwas günstiger Zubehör einzukaufen Super: für jeden Hanse-Typ stellt der Ausrüster eine detaillierte Zubehörliste mit Dimensionen und Preisen ins Internet. Bavaria hat es einfacher die Verkaufsstrukturen zu kontrollieren: kaum ein Käufer holt seine „Neue“ über dem Landweg in Bayern ab.


Hier steht sie: die ungetaufte Baunummer 94
Nur noch ein paar Wochen und sie ist im Wasser
Aussparungen aus Schaum: die 355er hat den gleichen Kiel, aber schwerer





Freitag, 20. Januar 2012

Düsselboot

Ende Jahr weiss ich: im hohen Norden wartet ein in Plastik gehülltes Schiff mit Baunummer 94 draussen auf dem Abstellplatz. Bezahlt ist es. Im Januar besuche ich an der „Boot“ in Düsseldorf den Hanse-Stand und lerne Boot und den freundlichen Händler live kennen. Wir gehen dort das notwendige Zubehör für die Ostsee durch – alles bleibt kostenmässig in Grenzen. Unter deutscher Flagge braucht es keine Registrierung, die Beschriftung des Namens und des Heimathafens genügt – lediglich das Funkgerät muss angemeldet sein. Wieso jammern die Deutschen über Bürokratie?

Hanse-Stand an der "Boot"


Basel und der Brechsack in der Rettungsinsel

Mit Anruf nach Hamburg will ich das Funkgerät anmelden. Ein hilfsbereiter Beamte klärt auf, dass ich keine Chance habe: unter deutscher Flagge segeln höchstens Bürger von EU-Staaten. „Basel“ soll jetzt am Hinterteil meines Schiffes kleben? - Basel, wo in meiner Jugend mein Ostschweizer-Dialekt zur Halskrankheit erklärt wurde? So wähle ich aus Protest „Basilea“, diesen Ort kennt in Deutschland sowieso niemand. Die Basler Beamten geben sich heutzutage offener: mit dem Neuboot erspare ich mir eine teure Expertise. Teuer wird es trotzdem. Die vorgeschriebene Rettungsinsel und weiteres Sicherheitszubehör bestelle ich bei Boatoon http://www.boatoon.com/de/ in Berlin: ganz flotte und flexible Leute und zudem günstig. Die fragen sich, ob ich mit soviel Ausrüstung über den Atlantik möchte. In einer Össi-Yachtzeitschrift lese ich Witze über die Ausrüstungsvorschriften der putzigen Schweizer: ein Gemeinschafts-Brechsack in der Rettungsinsel zum „gemeinsames Erbrechen“ als Ersatz für das gemeinsam-gemütlichen Schweizer Käsefondue. Ich sehe es anders: wenn Schweizer in der Rettungsinsel sitzen, machen sie ausnahmsweise keine Österreicher-Witze.

Gefordert wird auf der Ausrüstungsliste auch eine „Anleitung zum Überleben“ - die brauche ich ohnehin jeden Tag!